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Pestwurz (Petasites hydrius)
Hausmittel und Selbstmedikation - Heilkräuter

Pestwurz

Der Pestwurz, mit lateinischem Namen als Petasites hydrius bezeichnet, stammt aus der Familie der Korbblütler. Im Volksmund wird die Pflanze auch mit zahlreichen anderen Namen bezeichnet, wie beispielsweise Kraftwurz, Neunkraftblatt, Bachlatte, Sonnendachle, Huatplotschen, Adamsblatt, Parisoler, Tabaksblatt, Krotenblatt oder Huafplätschen. Der uns bekannte deutsche Name Pestwurz ist auf die Verwendung der Pflanze im Mittelalter zurückzuführen. Hier wurde die Pflanze als fiebersenkendes und schweißtreibendes Mittel bei Pesterkrankungen eingesetzt.

Beheimatet ist der Pestwurz vor allem in Europa, aber auch in Nord- und Westasien. Gerade in Europa kommt er oft herdenbildend vor. Dabei hält er sich zumeist an den Ufern von Bächen
und Flüssen auf, in Waldschluchten und auf Schwemmböden.
Der Pestwurz ist eine sehr ausdauernde und krautige Pflanze, die einen kräftigen, walzenförmigen Wurzelstock aufweist, der von sehr langen Wurzeln besetzt ist und  Ausläufer treiben kann, die eine Länge von bis zu 1,50 Metern erreichen können.

Die Laubblätter sind grundständig und aufgrund ihrer Größe sehr auffällig. Sie können eine Höhe von einem Meter erreichen und eine Breite bis zu 80 Zentimetern. Diese Blätter erscheinen erst nach der frühen Blüte, sind nierenförmig und am Grunde tief ausgebuchtet. Der Rand der Blätter ist scharf gezahnt. Oft werden die Blätter mit denen des Huflattichs verwechselt, da sie denen sehr ähnlich sehen. Aber aufgrund ihrer bedeutenden Größe kann man sie eigentlich gut unterscheiden.

Die Blütenschäfte, die bereits vor den Blättern aus dem Boden brechen, sind aufrecht und dick. Ihre Oberfläche ist spinnwebig wollig und in ihrem oberen Bereich tragen sie ein Blütenköpfchen, welches eine rotviolette Färbung aufweist und eine endständige, dichte Traubenform hat. Nach dem Verblühen lockert der Blütenkopf zu einer länglichen Traube auf. Aufgrund der Zweihäusigkeit der Pflanze treten sowohl männliche als auch weibliche Stöcke auf. Die Blütezeit erstreckt sich auf die Monate März bis Mai, und damit gilt der Pestwurz zu den Frühlingsblühern.

Der Pestwurz wird heute in der Heilkunde noch immer verwendet. Dabei finden sowohl der Wurzelstock als auch die Blätter Verwendung. Wird der Wurzelstock im Herbst gesammelt, so erstreckt sich die Sammelzeit für die Blätter auf den Frühsommer. Die Wurzel enthält wichtige Inhaltstoffe, zu denen ätherische Öle, ein Alkaloid, Gerbstoffe und Schleim und Inulin gehören. Die Blätter des Pestwurz enthalten dagegen nur Gerbstoffe und Schleim.

Durch die schweißtreibende, harntreibende, krampf- und schleimlösende Wirkung des Pestwurz wurde die Pflanze im Mittelalter besonders bei Pest, daher auch ihr Name, Fieber und epileptischen Anfällen angewendet. Heute verwendet man den Pestwurz in der Volksheilkunde auch äußerlich. Die Pflanze dient hier als hervorragendes Mittel bei Hautentzündungen.

Innerlich wird der Pestwurz als Hustentee angewendet und dient gleichzeitig als krampflösendes Mittel bei krampfhaften Beschwerden der monatlichen Menstruation. Als Heilpflanze kann die Pflanze auf eine weitreichende Vergangenheit zurückblicken. Die Homöopathie verwendet heute einen alkoholischen Auszug aus dem Wurzelstock der Pestwurz, der gegen Kopfschmerzen, Genickschmerzen und Harnleiterentzündungen wirkungsvoll sein soll.

Zur Teebreitung verwendet man 2 Teelöffel der zerkleinerten Wurzel, übergießt diese mit kaltem Wasser und lässt den Sud anschließend kurz aufkochen. Empfohlen wird die Einnahme von 2-3 Tassen Tee pro Tag.

Auch die Frischen Blätter können zu einem Tee aufgebrüht werden. Bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren werden die frischen Blätter direkt auf die Wunde gelegt.

Heute wird jedoch weitreichend von der Anwendung der Pflanze als Tee abgeraten, was auf die kanzerogenen und leberschädigenden Inhaltsstoffe zurückzuführen ist. Die Pflanzenextrakte, die industriell hergestellt werden, können jedoch ohne Bedenken verwendet werden, da sie aus speziellen Züchtungen des Pestwurz gewonnen werden, die nahezu frei von den Pyrrolizidinalkaloiden sein sollen.
 
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